Sprecherin: Manche Hilfsmittel hinterlassen einen besonderen Eindruck. Besonders dann, wenn sie es Menschen wieder ermöglichen, selbstständig lebenswichtige Dinge zu tun, die vorher nur mit Hilfe anderer möglich waren. Die HIDREX GmbH vertreibt einige davon. Ein aktuelles Highlight ist der Speiseroboter Obi.
Ralf Hornscheidt: Die Vorteile vom Obi sind vor allem darin zu sehen, dass Menschen, die sich Nahrung selber nicht mehr zuführen können, in die Lage versetzt werden, selbstständig zu essen, selbstständig zu entscheiden: In welchem Tempo esse ich?
Sprecherin: Damit der Roboter die Speisen anreichen kann, wird sein Arm einmal dorthin gezogen, wo der Löffel vor dem Mund anhalten soll. Der "Teach"-Knopf speichert die Position. Dann kann die Person, die essen möchte, über zwei große Tasten eine der vier Schalen auswählen und den Arm starten oder stoppen. Alternativ kann der Roboter auch über eine Kopfsteuerung mit Tasten bedient werden. Die Reaktionen auf den Speiseroboter zeigen, wie sehr er den Alltag positiv beeinflussen kann.
Ralf Hornscheidt: Also die meisten Reaktionen sind im ersten Moment etwas zurückhaltend, weil man so mit dem Gedanken: "Hallo, jetzt nehmen wir noch mehr persönlichen Kontakt weg und ich habe eine Maschine, die da etwas für mich tut." Und wenn sie es einmal selbst gemacht haben, sieht man bei dem Patienten (der Patientin) ganz viel Lächeln auf einmal im Gesicht, weil das, was vorher zum Beispiel da war: "Ich habe einen Partner, der kann nicht mehr selbst essen, dem muss ich Speisen anreichen". Der kann auf einmal wieder selber essen und ich kann mit ihm essen. Und wir essen als Paar nicht in zwei Schichten. Und auch die Pflegekräfte merken ganz schnell, welche Vorteile es sowohl für den Patienten (die Patientin), aber auch für sie selbst bringt. Also auch da werden dann wieder Zeiten frei, wo die Pflegekräfte auch wieder ganz anders mit den Leuten, die sie pflegen, agieren und kommunizieren können.
Sprecherin: Diese Karbonhand unterstützt Menschen dabei, Gegenstände wieder fest greifen zu können. Besonders praktisch ist sie nach Schlaganfällen, Nerven-, Muskel- und Tremor-Erkrankungen.
Ralf Hornscheidt: Die Karbonhand hat vier Sensoren in der Hand, in dem Handschuh, den ich überziehe. Über die Sensoren wird detektiert, ob die Finger zugreifen sollen und wie stark sie zugreifen sollen. Das kann der Patient (die Patientin) auch selbst im Rahmen einer App auch noch mal einstellen. Welcher Finger wo, wie, was, reagieren soll, kann drei verschiedene Profile für sich abspeichern und die aufrufen direkt an der Hand und kann dadurch wieder ein sicheres Greifen erreichen.
Sprecherin: HIDREX vertreibt unterschiedliche Geräte zur Unterstützten Kommunikation, die mit neuen Möglichkeiten ausgestattet sind.
Ali Gündüz: Die Trends der Unterstützten Kommunikation sind halt definitiv Social Media, weil die Unterstützte Kommunikation ist ja eigentlich für Menschen, die nicht mal sprechen können. Das ist zum einen eine Nahkommunikation mit der Person, die mir gegenüber ist. Aber es gibt ja auch die Fernkommunikation. Bei der Fernkommunikation reden wir über Twitter, über einen Videocall zum Beispiel, wenn die Verwandten ein bisschen weiter entfernt sind. Da kann man sicher schnell mal draufschalten. Twittern, Facebook, Instagram, das ist alles dann mit der Unterstützten Kommunikation auch möglich. Auch Umfeldsteuerung spielt eine Rolle, weil die Anwendenden der Kommunikationshilfen auch ihr Umfeld steuern möchten, zum Beispiel den Fernseher umschalten oder halt mal Licht an- und ausschalten. Oder wenn sie halt mit dem Rollstuhl durch die Tür wollen, entsprechend einen Türantrieb dann.
Sprecherin: Ergänzendes Zubehör und besondere Umbauten werden in der hauseigenen Werkstatt hergestellt. Denn Hilfsmittel müssen oft individuell auf die unterschiedlichen Ansprüche der Nutzenden angepasst werden.
Ali Gündüz: Bei der Kommunikationshilfe ist es so die Oberflächenbearbeitung. Man hat zwar eine Kommunikationssoftware drauf, aber man muss halt schauen: Kommt man damit zurecht, braucht die Person Fingerführung oder muss man die Software-Oberfläche tatsächlich dann auch umgestalten? Wenn die Gegebenheiten sag ich mal sich bei mehreren Patienten häufen, dann passen wir das dann unseren Standardprodukten mit an.
Sprecherin: Wenn das Unternehmen Hilfsmittel für den Rehabedarf ins Repertoire aufnimmt, ist Geschäftsführer Andreas Kämper vor allem wichtig, dass diese effizient und bedarfsorientiert sind.
Andreas Kämper: Wir versuchen Produkte zu meiden, die aus rein werbetechnischen Gründen oder nur aus Innovationskraft getrieben irgendwie auf den Markt gebracht werden, sondern die sollen wirklich tatsächlich ihren Zweck erfüllen und dabei aber auch ökonomisch sein und einfach zu bedienen und verständlich sein.